Wir sind viele! – Das NaturkosmetikCamp in Bad Häring

Ich besuchte das vergangene Wochenende das schöne Bad Häring im Tirol (Österreich). Dort verbrachte ich meine Zeit mit unglaublich kompetenten und leidenschaftlichen Menschen, die alle eins miteinander verbindet – die Naturkosmetik. Gleich zu Beginn wurde klargestellt: Wir sind per DU. Das sollte Barrieren abbauen und eine grössere Verbundenheit bewirken.

Was für mich dieses Wochenende immer wieder hervorstach: Wir leben alle für die gleiche Sache. „Wir sind viele!“ – Das Motto des 2. Naturkosmetik-BarCamps.

Ein BarCamp ist eine offene Tagung, deren Ablauf und Inhalte von den Teilnehmern im Tagungsverlauf selbst entwickelt werden (Definition Wikipedia). Jeder der Teilnehmer hatte im Vorfeld die Möglichkeit, ein Session-Thema einzureichen und dieses am Wochenende vorzutragen. Danach bestand die Möglichkeit, über die vorgestellten Themen zu diskutieren. Dieses Prinzip funktionerte sehr gut und war sehr bereichernd, da jeder etwas beitragen konnte.

Foto: NaturkosmetikCamp / Dirk Holst

Nach ca. viereinhalb Stunden Autofahrt – mit Umweg über den Arlbergpass wegen einer Sperrung – kam ich viel zu spät und etwas abgehetzt beim NaturkosmetikCamp im Hotel Panorama Royal an. Schnell einchecken, Namesschild und Goodiebag abholen und frisch machen. Die Vorstellungsrunde war schon in vollem Gange, als ich die Terasse mit unglaublichem Weitblick über das Inntal betrat. Wenn sich 130 Teilnehmer in einem zügigen Tempo vorstellen sollen, braucht das Struktur – in Form von drei Tags zur eigenen Person. Die Teilnehmer waren eine bunte Mischung aus der ganzen Naturkosmetik-Branche: Hersteller (bspw. von i+m, less is more, alverde, mysalifree, oceanwell und vielen mehr), Händler, KosmetikerInnen, Agenturen, Rohstofflieferanten, BloggerInnen und Endverbraucher. Die genaue Teilnehmerliste findet ihr hier.

Foto: NaturkosmetikCamp / Dirk Holst

Dann wurden bereits für den morgigen Samstag Gruppen gebildet und es gab ein erstes, lustig-chaotisches Kennenlernen. Ich habe u.a. Edda von TheBirdsNewNest, Tanja von LifeofLarimare (zwei österreichische Blogs) und Lina von Mandelmilch&Cashewmus kennengelernt. Mit meinen zwei österreichischen Blogger-Kolleginnen liess ich es mir auf der wunderschönen Terasse beim anschliessenden Abendessen schmecken.

Witzigerweise fand man am Buffet fast nur Veganes, was gut beschildert war. Die KöchInnen haben sich eine unfassbare Mühe gegeben – vor allem weil ich im Nachhinein erfahren habe, dass dies eher Neuland für sie war und sie sich damit erst auseinander setzen mussten. Leider war es für mich nicht immer ganz einfach mit dem Gluten. Das war nämlich nicht angeschrieben. Aber Salat und Sushi geht eigentlich immer – so konnte ich den herrlichen Blick über das abenddämmernde Tal geniessen und mich nett mit Edda und Tanja unterhalten. Im Anschluss hiess es noch schnell sechs goldene Sternenkleber auf den Session-Pinnwänden zu platzieren. Man konnte diejenigen Sessions mit einem Stern beglücken, welche man am Interessantesten fand. Anhand dessen konnten dann die Raumeinteilungs- und Vortragspläne für den nächsten Tag gemacht werden.

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So klang der Abend schön aus und nach einem kurzen Zwischenfall, bei dem ich bereits in Schlafklamotten noch den Nachtportier rufen musste, weil die Klospülung nicht mehr ging (hatte eine leichte Situationskomik, wie ich mit dem netten aber auch nicht-Klemmtner-begabten Nachtportier im Bad stand), begab ich mich in mein komfortables Bett und war gespannt auf das, was noch so kommen würde.

Foto: NaturkosmetikCamp / Dirk Holst

Nachdem ich am Morgen nur langsam in die Gänge kam und nach einem glutenfreien Frühstück mit Müsli und Brot gestärkt war, begann der offizielle Teil des BarCamps und der Sessionplan wurde vorgestellt. Nun hiess es sich zu entscheiden, denn es fanden jeweils drei Sessions parallel statt. Das fiel bei manchen Themen schwer, doch ich entschied mich für folgende Sessions, welche Samstag und Sonntag angeboten wurden:

  • Aktuelle Trends Naturkosmetik mit Dr. Jörg Ossenkopp
  • Was der Kunde nicht kennt, kauft er nicht mit Carolin Mündemann, Serendipity Cosmetics
  • Kann Naturkosmetik einen gesellschaftlichen Wandel bewirken? mit Jörg von Kruse, i+m NATURKOSMETIK BERLIN
  • PR und Blogger Relations: Neue Trends in der Kommunikation mit Imke Sturm, STURM! PR
  • Bio Cosmetics Customer: Gestern, Heute, Morgen… mit Beate Smelter und Claudia Wieger, KompetenzWerk
  • Naturkosmetik 2.0: Nachhaltig kommunizieren im WWW mit Lisa-Marie Leitner und David Faber, Peritus Webdesign

Zu den Sessions werde ich in einem anderen Post nochmal detaillierter etwas schreiben.

Foto: NaturkosmetikCamp / Dirk Holst

Nach dem Mittagessen wurde das Programm aufgelockert durch den Vortrag (Keynote) von Christian Felber zum Thema “Gemeinwohl-Ökonomie: Wirtschaftsmodell mit Zukunft”. Ein sehr interessanter und visionärer Beitrag über eine Wirtschaft, die dem Gemeinwohl dienen soll (wie es auch eigentlich in den Verfassungen bereits vorgegeben ist, aber nicht durchgeführt wird). Wusstet ihr, dass es in Bhutan ein BruttoNationalGlück (BNG) gibt? Welche ein schönes Wort:-) Das vorgestellte, sehr durchdachte Wirtschaftsmodell soll eine Gemeinwohl-Ökonomie erschaffen, die auf gemeinwohlfördernden Werten aufgebaut ist, mit dem Slogan: Mit Ethik zum Erfolg. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich auf der Homepage weiter informieren. Ein toller Vorschlag, wenn man bedenkt, dass 90 % der Deutschen sich eine neue Wirtschaftsordnung wünscht. Es machen bereits einige Unternehmen und Gemeinden bei diesem Projekt mit – es ist also nicht nur ein leerer Traum, sondern bereits in der Umsetzung. Auch wenn es wirkt, als sei es nur ein Tropfen auf den heissen Stein – solche Menschen braucht die Menschheit!

Foto: NaturkosmetikCamp / Dirk Holst

Nach zwei weiteren Sessions folgte eine kleine und kurze Podiumsdiskussion – geleitet von Julia von Beautyjagd. Das Thema waren Vorurteile gegenüber der Naturkosmetik. Diese sollte ein Einstieg für die bevorstehende Gruppenarbeit (Motto-Workshop) sein. Jede Gruppe – die bereits am Freitagabend gebildet wurde – hatte ein Schlagwort plus ein Vorurteil, dass es zu diskutieren und zu entkräften galt. Die genauen Themen und erarbeiteten Ergebnisse könnt ihr hier nachlesen.

Dann folgte – endlich – eine kleine Verschnaufpause. Es war Zeit, sich auszutauschen, den Wellnessbereich zu entdecken oder sich frisch zu machen. Ich entschied mich für’s „Nichtstun“ und entspannte in meinem tollen Hotelzimmer. Es tat gut, alles ein wenig sacken zu lassen. Auch wenn das Programm sehr spannend war, war es doch sehr viel Input innerhalb kürzester Zeit.

Foto: NaturkosmetikCamp / Dirk Holst
Foto: NaturkosmetikCamp / Dirk Holst
Foto: NaturkosmetikCamp / Dirk Holst

Frisch ausgeruht folgte dann der entspannte Teil des Abends: das Gala-Dinner „mit veganen Schwerpunkten“. In netter kleiner Runde mit Tanja und Elisabeth von ElisabethGreen genossen wir das – für mich glutenfreie – Dinner. Das Ambiente wurde von der motivierten kleinen Combo Brennholz unplugged umrahmt, die manchmal leider etwas laut – wenn auch gut – waren.

Sehr interessant fand ich die Gespräche mit Elisabeth oder Edda, die sich mit ihrem Blog selbstständig gemacht haben. Ein Schritt, vor dem ich grössten Respekt habe und den ich sehr spannend finde, ich mir aber für mich selbst momentan nicht vorstellen kann. Auch die DIY-Leidenschaft von Tanja war ein spannendes Gesprächsthema, das Lust auf’s Selberrühren machte. Einen netten Plausch hatte ich auch mit Anna von Biomazing. Sie hat in Winterthur (Schweiz) einen Onlineshop und einen kleinen Showroom mit tollen ausgesuchten Naturkosmetik-Produkten und vielem mehr.

Die Stimmung am Abend war bei vielen ausgelassen und ich habe mir am nächsten Morgen sagen lassen, dass der Abend für einige sehr spät endete…

Foto: NaturkosmetikCamp / Dirk Holst

Die Zeit verging wie im Fluge und ich fand mich schon in den letzten beiden Sessions wieder, bevor in der Grossgruppe eine Zusammenfassung und Vorstellung der Ergebnisse stattfand. Alle Ergebnisse sind ebenfalls auf der NaturkosmetikCamp Homepage nachzulesen.

Für mich ist der grosse Tenor des Camps: Wir sind nicht mehr nur eine kleine Nischengruppe. Wir müssen uns nicht vor der konventionellen Kosmetik verstecken oder mit ihr vergleichen. Naturkosmetik ist toll und wertvoll! Es bräuchte aber auch eine bessere Lobby, um wirklich etwas bewirken zu können. Oder, wie es Beate Smelter so schön ausdrückte: Lasst uns nicht immer davon reden, was Naturkosmetik nicht kann, sondern lasst uns über die Vorzüge reden, die Naturkosmetik mit sich bringt.

Foto: NaturkosmetikCamp / Dirk Holst

Nach einer kurzen Feedback- und Abschlussrunde, an der leider nicht mehr alle Teilnehmer anwesend waren, endete das diesjährige NaturkosmetikCamp. Ich nehme für mich persönlich viele Ideen und Erkenntnisse mit. Ich habe gerade auch die Pausen sehr geschätzt, in denen Zeit war, sich mit den vielen tollen und interessanten Menschen zu unterhalten und ein bisschen Networking zu betreiben. Ich konnte zum Beispiel auch eine kleine Schweizer Manufaktur kennenlernen, die in Bern handgefertigte biologische Naturkosmetik herstellt. Davon ein ander Mal mehr.

Auf der Heimfahrt zurück in die Schweiz hatte ich eine charmante und spontane Beifahrerin: Anna Baumgartner von Biomazing. Es war eine unglaublich kurzweilige Fahrt mit tollen Gesprächen und den ein oder anderen sehr philosophischen Themen. Liebe Anna, dir einen speziellen Dank für die nette und angenehme Unterhaltung!

Ein lieber Dank geht auch an das gesamte NaturkosmetikCamp-Team, die ihren Job wirklich unglaublich gut und engagiert gemacht haben. Das hat sicherlich viel Zeit und Energie gekostet. Es wurde sogar ein Video gedreht. Ihr habt wirklich tolle Arbeit geleistet!

Weitere Berichte über das NaturkosmetikCampfindet ihr bei: Julia, Liv, Elisabeth, Ida, Edda, Tanja und dem SpaCampBlog.

Habt eine tolle sonnige Woche!

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Tanja sagt:

    Ich fand unsere Gespräche auch sehr unterhaltsam, vor allem beim Galadinner, wo wir der doch etwas lautstarken musikalischen Untermalung nicht entkommen konnten. War schön, dich kennenzulernen.
    GLG tanja

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  2. Ein schöner Rückblick! Schade, dass wir gar keine Zeit hatten, uns ein bisschen ausführlicher zu unterhalten – bei so viel Trubel und Input bleibt irgendetwas am Ende in der Kürze der Zeit doch immer auf der Strecke.

    Liebe Grüße in die Schweiz
    Ida

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  3. Elisabeth sagt:

    Wow, toller Artikel! Da fühle ich mich gleich wieder zurückversetzt 🙂 Schön, dass wir uns kennengelernt haben. Ganz liebe Grüße aus Berlin, Elisabeth

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