Gluten in Kosmetikprodukten – Muss ich darauf achten?

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Heute möchte ich über eine Frage schreiben, die mich die letzten Monate immer wieder beschäftigt hat und meine beiden Blog-Themen im Kern verbindet: Wenn jemand – wie ich – kein Gluten verträgt, muss dieser dann auch bei Kosmetik auf Glutenfreiheit achten? Es kamen mir bspw. Kosmetika unter, auf denen ein kleines Siegel „Glutenfree“ zu sehen war. Also habe ich ein wenig recherchiert und möchte euch an meinem Ergebnis teilhaben lassen.

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Ich unterscheide im Folgenden zwischen einer Zölliakie und einer Glutensensitivität, auch wenn sich die Ausprägungen, wie empfindlich eine Person auf bestimmte Gluten-Spuren reagieren kann, stark unterscheiden können und typ-abhängig sind. Der grosse Unterschied ist, dass eine Glutenaufnahme bei einer Zölliakie eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut zur Folge hat. Bei einer Glutensensitivität kann man je nachdem zwar auch dieselben Symptome wie bei einer Zölliakie vorweisen (z.B. Bauchschmerzen, Übelkeit, Blähungen etc.), die Dünndarmschleimhaut wird durch eine Glutenaufnahme allerdings nicht geschädigt.

Zum besseren Verständnis habe ich euch hier nochmal zwei Definitionen eingefügt:

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die auf einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten, bzw. der Unterfraktion Gliadin beruht. Gluten/Gliadin kommt in den Getreidearten Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer vor, sowie in den alten Weizensorten Einkorn, Emmer und Kamut® (Khorasan-Weizen). Beim Gesunden wird die aufgenommene Nahrung im Dünndarm in ihre Bestandteile zerlegt und gelangt über die Schleimhaut in den Körper. Um eine möglichst große Oberfläche zur Nährstoffaufnahme zu erhalten, ist der Darm mit vielen Falten, den sogenannten Zotten, ausgekleidet.
Bei Zöliakie-Betroffenen führt die Zufuhr von Gluten zu einer Entzündung in der Darmschleimhaut. Dies hat zur Folge, dass die Zotten sich zurückbilden. Da sich die Oberfläche des Dünndarms verringert, können nicht mehr genügend Nährstoffe aufgenommen werden. So entstehen im Laufe der Erkrankung Nährstoffdefizite, die eine Reihe der Beschwerden auslösen können. Manche der Krankheitszeichen entstehen aber vermutlich auch durch entzündliche Prozesse unabhängig von Nährstoffdefiziten. Da die Zöliakie sich nicht nur auf den Darm beschränkt, wird sie auch eher als Erkrankung des gesamten Körpers, also als eine Sytemerkrankung angesehen.“

Quelle: DZG-Online

Eine Glutensensitivität ist „eine abgeschwächte Form der Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) mit abgeschwächter Symptomatik. Antikörper gegen Gluten lassen sich im Körper nachweisen; eine Darmzottenrückbildung ist jedoch nicht erkennbar. Dennoch wird bei glutenfreier Ernährung eine allgemein bessere Befindlichkeit beobachtet.

Quelle: Huttwiler

In der Schweiz sind ca. 1 % der Bevölkerung von einer Zölliakie betroffen, ähnlich wie in Deutschland. Dies zur Einordnung.

 

Gluten in Kosmetikprodukten

Laut der DGZ (Deutsche Zölliakie Gesellschaft) haben Präparate zur rein äusserlichen Anwendung keine schädigende Wirkung bei Zölliakie. Die Haut ist zwar unser grösstes Organ, es sei aber nicht bekannt, dass Gluten über die Haut aufgenommen werden kann. Daher sind sowohl Haarpflegeprodukte, als auch Körperlotions, Duschgele, etc. bei Glutenunverträglichkeiten/-sensitivitäten unbedenklich.

Ausnahmen bilden Produkte, die mit den Zähnen oder den Mundschleimhäuten in Berührung kommen. Auch bei Lippenpflegeprodukten oder bei Produkten, die für Kinder verwendet werden, sollte man auf eine Glutenfreiheit achten. Gerade bei betroffenen Kindern sollte man aufpassen, da diese schnell mal die eingecremten Finger in den Mund stecken oder aus Versehen Badewasser verschlucken können.

Bei Zahnpflegeprodukten (Mundspülungen oder Zahnpasta) gilt Vorsicht, da diese durch Verschlucken in den Magen-Darmtrakt gelangen können. Die tägliche Nutzung könnte begünstigen, dass Spuren von Gluten in den Darm gelangen und (bei einer Zölliakie) Schleimhautveränderungen auslösen.

Personen, die zusätzlich zur Zölliakie an der Hauterkrankung Dermatitis Herpetiformis Duhring leiden, sollten auch bei Gesichtscremes, Makeup und Gesichtsreinigungs-Produkten auf eine Glutenfreiheit achten. Hier kann es bei einer äusserlicher Anwendung  zu einer Reaktion kommen. Handseifen bergen ggf. auch ein Risiko, da hier Spuren von Gluten über die Hände ins Essen gelangen könnten.

Ihr seht, es gibt einige Ausnahmen. Die Schwierigkeit bei Pflegeprodukten besteht in der Deklaration. Kosmetische Produkte tragen – im Gegensatz zu glutenfreien Lebensmitteln – nicht zwingend ein besonderes Siegel. Man muss also die Inhaltsstoff-Liste gut studieren. Das ist manchmal schon schwer genug, durch die lateinischen Namen wird es noch zusätzlich erschwert.

Die lateinischen Bezeichnungen verschiedener glutenhaltiger Getreidesorten:

  • Weizen = Triticum aestivum, Triticum vulgare oder Triticum turgidum durum)
  • Roggen = Secale cereale
  • Gerste = Hordeum districhon oder Hordeum vulgare
  • Dinkel = Triticum spelta
  • Hafer = Avena sativa oder Avena strigosa

Hier kommt es sehr stark auf die Konzentrationen darauf an, wieviel im jeweiligen Produkt enthalten ist. Letztendlich reagiert jeder Mensch anders auf gewisse Konzentrationen. Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Bei sehr empfindlichen Menschen ist es ratsam, glutenhaltige Kosmetikprodukte komplett aus dem Haushalt zu entfernen und mit glutenfreien Alternativen zu ersetzen, um Schädigungen vorzubeugen.

Aus diesem Grund habe ich mir vorgenommen in der Zukunft bei Produktvorstellungen – wo immer es geht – auf Gluten in Kosmetikprodukten hinzuweisen. Ich hoffe, ich helfe euch damit weiter. Ich habe hier bereits einmal ein paar glutenfreie Naturkosmetik-Produkte aufgezählt – in Verbindung mit meinem Vivaness-Besuch.

Bemerkung: Ich bin kein Arzt und keine Fachperson. Diese Informationen habe ich aus genannten Quellen zusammengetragen, ich kann aber nicht auf alle Details explizit eingehen. Dies ist keine Fachabhandlung. Letztendlich muss jeder selbst herausfinden, wieviel Gluten er vertragen kann und auf was er achten sollte. Ich kann keine Verantwortung für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Informationen übernehmen. Bei Fragen kann ich euch die DZG sehr empfehlen. Sie beantwortet Fragen sehr kompetent und kann ggf. weiterhelfen.

Quellen: Stellungnahme des DZG auf Nachfrage, http://de.sott.net/article/11633-Gluten-in-Pflegeprodukten-Duschgel-Shampoo-Lippenstift-und-Co, http://blog.schaer.com/de/einkaufen/medikamenten-kosmetik.html, https://www.dzg-online.de/, aha.ch.

 

Kurz und knapp zusammengefasst:

Wer an einer Glutenunverträglichkeit/Zölliakie leidet, sollte auf die Inhaltsstoffe von Kosmetik achten. Besonders bei Lippen(pflege)stiften, Zahnpasta und Mundspülungen, da diese mit den Mundschleimhäuten in Berührung kommen oder verschluckt werden können. Bei Kindern mit einer Glutenunverträglichkeit/Zölliakie sollte man besonders vorsichtig sein, da diese auch äusserlich angewendete Produkte wie z.B. Badewasser verschlucken können. Die Konzentration im Produkt spielt auch eine Rolle.

Ansonsten ist nicht bekannt, dass die Haut durch äusserliche Anwendung eines Kosmetikproduktes Gluten aufnehmen kann. Daher ist die Verwendung von äusserlich angewandten Produkten wie z.B. Körperlotions, Haarpflegeprodukten, etc. generell unbedenklich.


Ich hoffe, mein kleiner Theorie-Exkurs hat euch gefallen. Müsst ihr selbst auch auf Gluten in Kosmetikprodukten achten? Habt ihr da schon Erfahrungen gemacht?

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. motessa sagt:

    Hallo, eine gute Zusammenstellung! Ich habe dieses Thema an der jährlichen Kontrolle im Kinderspital auf der Zöliakiesprechstunde angesprochen und sie haben mir ähnliches erzählt. Aufmerksam auf dieses Dilemma wurde ich durch Blogs aus den USA. Wir verzichten auf Shampoo aus Weizenkeimöl und Handseifen ähnlicher Zusammensetzung. Ansonsten lese ich nur bei Lippenstiften und Lippenbalsamen durch was os drin ist, Creme und Salben nicht, Tochter ist schliesslich schon 16 und wird sich die Sonnencreme kaum von den Fingern lecken:-)

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    1. Regina sagt:

      Vielen Dank fürs schildern deiner Erfahrungen! Ich finde es immer spannend zu hören, wie es anderen damit geht.
      Alles Liebe
      Regina

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  2. Ginni sagt:

    Oh, darauf habe ich bisher noch nie geachtet, da mich Gluten gesundheitlich dann eben doch nicht so stark tangiert. Versuche ja generell einfach nur für mich, meinen Konsum von glutenhaltigen Produkten zu reduzieren bzw weniger Weißenprodukte zu essen. Aber bei Kosmetik habe ich da noch nie drauf geachtet. Toller Beitrag und sehr interessant 🙂

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    1. Regina sagt:

      Vielen Dank, liebe Ginni.

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  3. Glücklicherweise brauche ich mir keine Gedanken über Gluten, Lactose und Co. zu machen. Leider wird mit Unwissen der Betroffenen der Kommerz angekurbelt, und ich finde gut, dass dieser Artikel wohl bei einigen die Angst rausnimmt.

    Dankeschön!

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    1. Regina sagt:

      Vielen Dank für das Lob, liebe Karin 🙂

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